Skulpturen/Plastiken

"Brutalismus" Arbeiten aus Beton und Stahl 2019–2025

La Torre nera, 2024
26 x 26 x 48 cm, 47 kg

Silo II, 2023
27 x 25 x 45 cm, 45,5 kg

Bunker I – Green Washing, 2021
21 x 24 x 40 cm, 48 kg


Rohbau-1, 2024
25 x 26 x 30 cm


Factory III, 2024
36 x 54 cm H 17,5 cm, 40kg

Factory B, 2023
36 x 54 x 17,5 cm, 40 kg

Kerker, 2024
23 x 23 x 35 cm

FLAK I+II, 2019
H=95 cm, je ca 80 kg

Èglise blanc, 2024
44 x 23 x 29 cm

Por Eduardo, 2025
124 x 40 x 40 cm

Monastery I+II, 2025
20 x 20 cm, H 75 cm, je ca. 47 kg

Cielo, 2025
46 x 31 cm, H 32 cm, 42 kg

Robert Svoboda. Brutale Bunker und Begrünungen
von Hartwig Knack, Mai 2024

Aufgewachsen ist Robert Svoboda in Wien in der Nähe des Augartens, der als barocke Gartenanlage seit vielen Jahren einen bedeutenden öffentlichen Grünraum für seine Anwohner darstellt. Zwei der sechs zum Teil über 50 Meter hohen Flaktürme Wiens prägen das Bild jenes Augartens. Erschreckend und zugleich faszinierend wirken die aus Stahlbeton errichteten Relikte des Zweiten Weltkrieges noch heute auf den 1959 geborenen Künstler, dessen Eltern es nicht ertragen konnten, sich nach ’45 in Gebäuden aus Beton länger aufzuhalten, geschweige denn darin zu wohnen. Zu traumatisch müssen die Erlebnisse der immer wiederkehrenden Luftangriffe und das Schutzsuchen vor Bomben in den öffentlichen Bunkern gewesen sein.
Parallelen zu Gefängnisbauten, Festungen und auch Architekturen des Ende der 1940er- Jahre aufkommenden Brutalismus sieht Svoboda in seinen bunkerähnlichen Plastiken, die im Wesentlichen aus Beton, Stahl und Glas gefertigt sind. Als Paradebeispiel für den Architekturstil des Brutalismus, bei dem der Beton als Baumaterial im Vordergrund steht, kann die nach Entwürfen des Bildhauers Fritz Wotruba 1976 fertiggestellte „Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“ in Wien gelten. Das aus 150 Betonblöcken und Glaselementen von zum Teil gewaltiger Größe erbaute Gebäude steht am Georgenberg im Ortsteil Mauer als ein massiver Block in der Landschaft. 
Ähnlich monolithisch und autonom – nur in kleinerem Maßstab – zeigen sich Svobodas „Bunker“, „Flaktürme“ „Silos“ und „Factories“. Jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben oder abgerissen, erfahren historische Bauten aus Sichtbeton seit einigen Jahren als architektonische Besonderheiten eine Renaissance und unterliegen oft dem Denkmalschutz. Das gilt nicht nur für Befestigungs- und Verteidigungsanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch für Silos und Getreidespeicher, die seit Jahrzehnten als genossenschaftliche Landmarks die Landschaften Ostösterreichs prägen, wo Robert Svoboda zuhause ist.

Mit zwiegespaltenen Gefühlen blickt der gelernte Maschinenschlosser grundsätzlich auf den Brutalismus, der sich von dem französischen Begriff „béton brut“, was roher Beton bedeutet, ableitet. Raubbau an der Natur werde betrieben, der massive co2-Ausstoß bei der Betonherstellung sei kaum mehr zu rechtfertigen, der Diebstahl von Sand in den ärmsten Ländern der Welt für die Produktion von Beton nehme Überhand. Dennoch habe Sichtbeton eine gewisse ästhetische Größe, so Svoboda.
Schon Ende der 1980er-Jahre hat der Künstler mit Eisen und Asphaltstaub gearbeitet. Warum also nicht wieder unter anderen inhaltlichen Vorzeichen auf diese oder ähnliche Materialien zurückgreifen? Wenn der handwerklich versierte Künstler auf seinem Stahlbetonturm „Flak I“ eine Kunstrasenfläche verlegt oder in „Bunker I“ eine Pflanze integriert übt er Kritik an Alibibegrünungen von neu errichteten Gebäuden mit eingefügten Bäumen und Sträuchern, die ihnen eine klima- und umweltfreundliche Geltung verleihen sollen. Solche Strategien sind hinlänglich unter dem Begriff des „Greenwashing“ bekannt, mit denen sich Bauträger oder andere Unternehmen ein grünes und nachhaltiges Image verleihen wollen, obwohl es dafür keine faktische Grundlage gibt. Svobodas Sukkulenten und Gräser scheinen sich in gewisser Weise die Architekturen zurückzuerobern.

Wer kennt sie nicht, die Styropor- und Kartonverpackungen von Fernsehern, Computern oder Kaffeemaschinen, die in erster Linie als Stabilitätselemente und Transportschutz der Geräte dienen, gleichzeitig aber den Leer- oder Negativraum der Produktverpackungen markieren? In seinen jüngsten Arbeiten macht sich Svoboda die Formgebilde dieser Negativräume zunutze und verleiht ihnen in seinen Plastiken eine autonome Position und besondere ästhetische Qualität. Die Verpackungselemente werden in Beton gegossen und dienen als konstituierende Teile seiner dreidimensionalen Werke. Die dem geformten Karton zugewiesene passive Rolle als Verpackungsmaterial wechselt in einen aktiven und positiven Zustand, der die Dachlandschaften der „Factories“ und „Bunker“ formal gestaltet und inhaltlich denkt. Eine mit eisenhaltigen Partikeln versehene Emulsion liefert in einem finalen Schritt die korrodierten Oberflächen, die vielleicht als ein Hinweis auf die Vergänglichkeit alles von Menschen Geschaffenen interpretiert werden kann. In Zeiten der für uns in Europa bedrohlich nahen Kriege in Gaza und der Ukraine keine abwegige Lesart …

Assemblagen

Robert Svobodas Arbeiten – Miniaturinstallationen und Stillleben – sind humorvolle Betrachtungen zu (tod)ernsten Themen. Probleme und Katastrophen werden auf Zigarrenkistengröße reduziert und gleich einem Modell eines Bühnenbildes aufgebaut. Erschütternd und berührend die Inszenierungen des Weltungerganges wie in „
Abgrund“ oder „Spielt mit mir“ mit realen Fotos von Naturkatatrophen oder politischen/sozialen Konflikten.

Abgrund, 2012

Spielt mit mir, 2015


(get)lost, 2016


Indigo, 2012

Indisch Gelb, 2012

Hasso, gest. 2015

Kalksburg, 2012
den berühmten Alkoholikern gewidmet

My Future II, 2012